Aus dem SZBLIND
AMD: Viele Missverständnisse
von Stefan Müller
Um das Bewusstsein für die AMD zu schärfen, hat der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen SZBLIND neu eine Simulationsbrille zur Makuladegeneration lanciert. Die Brille eignet sich für den Einsatz im Schulunterricht oder in der Erwachsenenbildung. Angehörige, Verwandte und Freunde von Sehbehinderten, aber auch Fachleute sollen anhand der Brille erfahren, welche Schwierigkeiten im Alltag für stark sehbehinderte Menschen auftreten. Das wöchentliche Gesundheitsmagazin des Schweizer Fernsehens «Puls» nahm diese Brille kürzlich zum Anlass für einen Beitrag. Das Gesundheitsmagazin zeigte gerade selbst, dass zu diesem Thema manche Missverständnisse existieren, indem es selbst darüber stolperte. Susanne Trefzer erläutert die Fehlinformationen, die sie umgehend beim Fernsehen richtigstellte: So wurde unter anderem behauptet, dass der gelbe Fleck durch den Zerfall der Sehnerven entstünde. Tatsache ist jedoch, dass der gelbe Fleck nur eine andere Bezeichnung für die Makula ist. Ausserdem wurde gesagt, dass AMD zur Erblindung führe, was ebenfalls unzutreffend ist. Denn eine Erblindung tritt nur in äusserstseltenen Fällen ein und in Kombination mit anderen krankhaften Veränderungen.
Neu: Beleuchtungsberatung
von Ann-Katrin Gässlein
Ab dem 1. Januar 2012 koordiniert der SZBLIND die Beleuchtungsberatung für Sehbehinderte in der Deutschschweiz. Mit einer zentralen Anlaufstelle reagiert die Dachorganisation im Schweizer Sehbehindertenwesen auf ein Bedürfnis zahl reicher Beratungsstellen für blinde und sehbehinderte Menschen. Ein Team aus zwei Personen widmet sich Fragen, wie öffentliche und private Gebäude im Innen und Aussenbereich am besten für sehbehinderte Menschen ausgeleuchtet werden können. Innerhalb des SZBLIND übernimmt Diplom Augenoptiker und Low Vision Spezialist Arnd Graf Beilfuss die Koordination zum Thema Beleuchtungsfragen. Als externe Fachperson konnte Ruedi Steiner, Lichtdesigner aus Worb gewonnen werden.
Zu den weiteren Aufgaben des Teams der Beleuch tungsberatung, das vorerst nur in der Deutsch schweiz tätig sein wird, gehört auch die Interes senvertretung. So wird sich Arnd Graf Beilfuss auch in der Kommission für behindertengerech tes Bauen für die Aspekte sehbehindertengerech ter Beleuchtung einsetzen. Ein weiterer Arbeits schwerpunkt ist die Evaluation von geeigneten Leuchten. Hierzu entwickelt das Tandem Kriterien für sehbehindertengerechte Produkte, mit deren Hilfe das Angebot beurteilt werden kann. Zudem wendet sich das Team gezielt an Lichtplaner, um diesen die spezifischen Phänomene der Sehbe hinderung näher zu bringen. Dazu ist neben dem Angebot entsprechender Kurse auch geplant, einmal pro Jahr eine Standortbestimmung für interessierte Fachleute zu organisieren.
Wichtig für die Sicherheit
von Gerd Bingemann
Der SZBLIND wehrt sich gegen die Vorwürfe der IG Stiller, dass die Anpassungen für blinde und Seh behinderte Reisende im öffentlichen Verkehr zu unnötigen Lärmbelästigungen führen. Die meis ten Informationen gehören ohnehin zum Stan dard im Zugverkehr. Spezifische Informationen hingegen sind für die Sicherheit und Mobilität blinder und sehbehinderter Personen existentiell. Ende Januar veröffentlichte die Zeitung «20 Minu ten» den Beitrag «IG Stiller schiesst gegen Blinde». In dem Beitrag meldete sich IG Stiller Präsident Samuel Büechi zu Wort, welcher der Ansicht ist, im öffentlichen Verkehr würden zu viele Ansagen und Signale zugunsten blinder und sehbehinder ter Personen das Ruhebedürfnis stören. Er wolle «alle unnötigen Durchsagen und Warnsignale» aus den Zügen verbannen und scheue dafür auch eine Klage beim Bundesamt für Verkehr nicht. Gleichzeitig kritisiert er die Blinden, die «wegen dem Gleichstellungsgesetz immer mehr Einfluss» hätten, ihre Forderungen durchzusetzen. «Damit blinde und sehbehinderte Menschen au tonom den öffentlichen Verkehr benutzen kön nen, sind drei Informationen wesentlich», betont Matthias Bütikofer, Geschäftsführer des SZBLIND: «Informationen zu den Haltestellen, Information zu Gleisänderungen und Informationen über die Ausstiegsseite. Die ersten beiden Informationen gehören zum normalen Standard im Zugverkehr. Sie sind nicht speziell für blinde Menschen ausge richtet, sondern dienen allen Reisenden. Für Blin de und Sehbehinderte sind diese Informationen jedoch nicht nur komfortabel, sondern existenti ell für ihre Mobilität und Sicherheit». Die Fachkommission für die sehbehindertenspezi fische Zugänglichkeit des öffentlichen Verkehrs, in welcher der SZBLIND über die Interessenvertretung Mitglied ist, ist durchaus offen für Kompromis se: Eine Kürzung der Ansagetexte kann ein Ziel sein, insofern diese die Sicherheit blinder und sehbehinderter Personen nicht beeinträchtigt. So entwickelt die Kommission beispielsweise Kürzungsvorschläge wie «Ausstieg links» in der lokal aktuellen Ortssprache und reicht diese bei der SBB ein. Auch die Piepstöne der Türschlies sung müssen für blinde und sehbehinderte Fahr gäste keineswegs laut und penetrant tönen. Es handelt sich bei diesen Warnsignalen jedoch um grenzüberschreitende Kompositionen, die auf internationalen Normen basieren. Entsprechen de Verhandlungen zur Milderung der Signalton lautstärke sind bereits aufgegriffen worden.