Liebe Leserin, lieber Leser

Kürzlich traf ich eine alte Schulfreundin, die zum ersten Mal Mutter geworden ist. Mit strahlenden Augen erzählte sie von den Freuden und Herausforderungen ihres neuen Alltags. Dabei wurde mir bewusst, wie selbstverständlich viele von uns die Hürden des Lebens bewältigen – bis wir uns in die Perspektive von Menschen mit besonderen Bedürfnissen versetzen.

Was, wenn eine sehbeeinträchtigte Frau ein Kind bekommt? Welche zusätzlichen Barrieren müssen dann überwunden werden? Und wie gestaltet sich der Alltag, wenn man auf Unterstützung angewiesen ist? Diese Fragen beschäftigen nicht nur einzelne Betroffene, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes.

So schildert Tamara De Icco in «Blind mit Kind», wie sie als alleinerziehende, blinde Mutter den Spagat zwischen Barrieren und Vorurteilen meistert. Im Interview mit Laetitia Belin-Boussier werfen wir einen Blick auf das französische Projekt «CAP Parents», das Eltern mit einer Sehbeeinträchtigung gezielt unterstützt. Vivianne Visschers von der Forschungsstelle SZBLIND berichtet über neue Ansätze, um sehbeeinträchtigten jungen Erwachsenen mehr Autonomie zu ermöglichen – ein Thema, das derzeit von Studierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz vertieft wird.

Ein weiteres zukunftsweisendes Thema dieser Ausgabe ist der Einsatz von Gentests bei erblich bedingten Augenerkrankungen. Denn nur die präzise Identifizierung des verantwortlichen Gens ermöglicht eine gezielte Diagnose und eröffnet den Zugang zu künftigen Therapien, wie der Beitrag von Stephan Hüsler und Peter Jankovsky von Retina Suisse zeigt.
Einen Fokus setzen wir auch auf technologische Innovationen: Beim Cybathlon 2024 präsentierten Teams aus aller Welt Assistenzsysteme für sehbeeinträchtigte Menschen. Das Schweizer Team «Sight Guide» konnte mit beeindruckenden Ergebnissen überzeugen.

Die Geschichten in dieser Ausgabe zeigen, dass es Mut, Kreativität und Solidarität braucht, um Barrieren zu überwinden. Sie verdeutlichen, wie wichtig es ist, nicht nur über Lösungen nachzudenken, sondern diese auch in die Praxis umzusetzen.

Genau hier möchte auch die Redaktion von tactuel ansetzen: Mit unserer Leserumfrage möchten wir von Ihnen erfahren, was Ihnen an unserer Zeitschrift gefällt und was wir besser machen können. Was interessiert Sie, wie beurteilen Sie Themenmix, Lesefreundlichkeit, Layout, Erscheinungshäufigkeit und Leseformate? Ihr Feedback hilft uns, die Zeitschrift noch besser auf Ihre Wünsche und Bedürfnisse abzustimmen – vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Kathrin Schellenberg, Chefredakteurin tactuel